Von Corona genesen: Soll ich mich trotzdem impfen lassen?

14. Jun 2021

Ob von einem Immundefekt betroffen oder nicht – am Thema Coronaimpfung kommt heute kaum jemand vorbei.

Doch wie sieht es eigentlich aus, wenn ich bereits an COVID-19 erkrankt war und nun genesen bin? Ist eine Impfung dann auch noch sinnvoll für mich? Und was sollte ich wissen und beachten, wenn ich Immundefektpatient/in bin? Wir haben aktuelle Informationen für Sie zusammengestellt (Stand: 06.2021).

Was empfiehlt das Robert-Koch-Institut Genesenen zur Coronaimpfung?

Grundsätzlich vertreten die Experten des RKI eine klare Meinung, was die Impfung von Genesenen angeht. Sie empfehlen auch ihnen, die Impfung vornehmen zu lassen. Der Hintergrund ist folgender: Wer bereits mit dem Coronavirus infiziert war, hat zwar bereits Antikörper entwickelt und verfügt damit über einen gewissen Schutz davor, sich wieder anzustecken und erneut zu erkranken. Doch sie sind nicht dauerhaft vor der Erkrankung geschützt, da die gebildeten Antikörper im Laufe der Zeit wieder abgebaut werden.

Die Empfehlung lautet daher, sich impfen zu lassen, dies aber frühestens sechs Wochen nach der Infektion. Eventuell reicht dann auch eine Dosis (statt zwei Dosen, wie bei den meisten Impfstoffen sonst gängig) aus. Dies gilt grundsätzlich auch für Menschen mit einem Immundefekt.

Welche Ansteckungsgefahr besteht, wenn sich Immundefektpatient/innen mit dem Coronavirus infizieren?

Die Spezialisten des Centrums für Chronisch Immundefizienz (CCI) des Universitätsklinikums Freiburg geben wichtige Antworten auf diese Frage. Wer als Immundefektpatient/in eine Infektion mit SARS-CoV-2 durchgemacht hat, scheint das Virus oftmals länger auszuscheiden als Personen ohne einen Immundefekt. Hierfür gibt es derzeit erste Hinweise und Beobachtungen.

Somit könnten Patient/innen mit Immundefekt länger als andere Menschen infektiös sein, auch über die gesetzlich vorgegebene Quarantänezeit hinaus. Wichtig: Ob man sich gut fühlt oder nicht, sagt nicht unbedingt etwas über die Ansteckungsgefahr aus. Viele Betroffene fühlen sich bereits wieder „gesund“ und können die Viren dennoch weiterverbreiten. Ein Kontrollabstrich am Ende der Quarantäne ist daher empfehlenswert.

Falls sich dabei noch eine gewisse Viruslast zeigt, ist eine verlängerte Quarantänezeit sicherlich ein hilfreicher Weg, um die Verbreitung des Virus zu unterbrechen. Im Falle dieser verlängerten Quarantäne werden weitere Kontrollabstriche durchgeführt, und zwar so lange bis diese zweimal in Folge negativ sind.

Spezielle Impfempfehlungen für Menschen mit Immundefekten

Wer sich als Immundefektpatient/in schon einmal mit den Impfempfehlungen gegen Influenzaviren befasst hat, findet bei der Coronaimpfung die daher bekannten Grundregeln wieder.

Derzeit gehen die Immundefektspezialist/innen davon aus, dass nicht nur die B-Zell-Immunität, sondern auch die T-Zell-Immunität zum Impfschutz beitragen. Menschen mit fehlender B-Zell-Immunität (z.B. mit Morbus Bruton – XLA oder CVID) oder mit eingeschränkter T-Zell-Immunität sollten sich daher in der Regel auch impfen lassen. Das gilt auch während einer Immunglobulintherapie.

Was tun, wenn mein Immunsystem durch eine Therapie „heruntergefahren“ ist?

Wenn Personen mit immunsuppressiv wirkenden Arzneimitteln behandelt werden, muss dies nicht zwingend zu einem Verzicht auf die Coronaimpfung führen. Eine solche Therapie stellt also keine grundsätzliche Kontraindikation für die Impfung von Immundefektpatienten dar.

Wie so oft gilt auch hier: Bitte lassen Sie sich in Ihrem Immundefektzentrum bzw. von ihren behandelnden Ärzt/innen individuell beraten.

Gibt es bestimmte Impfstoffe, die ich als Immundefektpatient nicht nutzen sollte?

Alle genannten Empfehlungen sind auf die aktuell (Stand 1.6.2021) in der EU zugelassenen mRNA-Impfstoffe (Totimpfstoffe) von BioNTech/Pfizer und von Moderna sowie auf die Vektor-Impfstoffe von Astra-Zeneca, Johnson&Johnson und Sputnik-V bezogen.

Grundsätzlich gilt: PID-Patient/innen und Menschen mit Sekundären Immundefekten sollten – auch wenn ggf. keine vollständige Wirksamkeit erwartet werden kann – mit Totimpfstoffen gegen SARS-CoV-2 geimpft werden. Es besteht allerdings derzeit keine generelle Warnung vor der Verabreichung des AstraZeneca-Impfstoffs bei Immundefektpatienten.

Die Lebendimpfstoffe, die sich derzeit noch in der Entwicklung befinden, also noch nicht zugelassen sind, sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht empfehlenswert, wenn ein Immundefekt vorliegt.

Weitere, noch detailliertere Impfempfehlungen für Menschen mit bestimmten Immundefekten gibt es derzeit noch nicht.

In welche Priorisierungsgruppe gehöre ich als Immundefektpatient?

Derzeit gehören Immundefektpatienten grundsätzlich zur Gruppe 3, also zu den Menschen mit einem erhöhten Risiko für schwere Krankheitsverläufe bei SARS-CoV-2-Infektionen.

Je nach Art und Ausprägung der Erkrankung können auch andere Gruppen zutreffend sein. So gehören z.B. CVID-Patienten mit Begleiterkrankungen der Leber, Lunge, Herz oder Nieren zur Gruppe 2 mit hoher Priorität. Einzelfallentscheidungen durch die behandelnden Ärzt/innen ermöglichen darüber hinaus immer eine individuelle Einstufung.

Kontaktpersonen ebenfalls impfen lassen

Als Immundefektpatient/in sollten Sie beachten, dass sich bis zu zwei Ihrer engen Kontaktpersonen priorisiert impfen lassen können, wenn Sie als PID-Patient zur Gruppe 2 oder 3 gehören. Dies ist wichtig und sinnvoll, insbesondere weil die Impfung bei Ihnen ggf. nicht für einen kompletten Schutz vor dem Coronavirus sorgen kann. Umso wichtiger ist es, dass Ihr Umfeld mit zu Ihrem Schutz beiträgt.

Ihre Kontaktpersonen werden in die gleiche Gruppe eingestuft wie Sie. Bitte denken Sie daran, dass Sie und auch Ihre Kontaktpersonen ein entsprechendes Attest vorlegen müssen.

Mehr erfahren:

Das Centrum für Chronische Immundefizienz hält Menschen mit Immundefekt und ihre Angehörigen online auf dem Laufenden. Details zu den oben genannten Themen und weitere, aktuelle Informationen finden Sie unter https://www.uniklinik-freiburg.de/cci/aktuelles/informationen-zu-sars-cov2-und-covid-19.html

In unserem Beitrag „PID & Corona“ https://www.immundefekte.info/immundefekt/aktuelles/meldungen/2021-primaerer-immundefekt-corona-impfung.php finden Sie alles über die STIKO-Impfempfehlungen vom Januar 2021 und weitere Details zu PID und Corona.
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