Coronavirus (COVID-19) und Immundefekt

17. Mär 2020

Coronavirus (COVID-19) und Immundefekt

Was Sie als PID-Patient/in und Angehöriger beachten sollten. Empfehlungen von Experten, speziell für Menschen mit Immundefekten / chronischen Erkrankungen.

Die steigende Anzahl von COVID-19-Infektionen in den letzten Tagen und Wochen sorgt bei vielen Menschen für Verunsicherung. Gerade für Personen mit Immundefekten und für deren Angehörigen ist es jedoch wichtig, besonnen und angemessen zu handeln. Wir haben daher einige aktuelle Hinweise für Sie zusammengestellt. Bitte beachten Sie, dass es sich bei den folgenden Informationen nur um allgemeine Hinweise handelt. Diese ersetzen nicht den individuellen, ärztlichen Rat. Kontaktieren Sie im Zweifelsfall bitte ihre behandelnde Ärztin / Ihren behandelnden Arzt.

Stand der Informationen: 16. März 2020

Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts bei PID

Am 06. März 2020 hat das Robert-Koch-Institut (RKI) Informationen und Hilfestellungen für Personen mit einem höheren Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf veröffentlicht. Zu diesen Personen zählen neben Menschen mit unterdrücktem Immunsystem oder mit PID auch ältere Menschen sowie Personen mit bestimmten anderen Grunderkrankungen.

Grundsätzlich ähneln die Maßnahmen für besonders gefährdete Personen den derzeit bekannten, allgemeinen Empfehlungen:

    • An erster Stelle steht das Einhalten der vielerorts kommunizierten Hygieneregeln, allen voran das richtige und häufige Waschen der Hände sowie das Einhalten des Abstands zu (eventuell) erkrankten Personen.
    • Die Empfehlungen zur Kontaktreduktion sollten Menschen mit Immundefekten besonders ernst nehmen, um sich zu schützen. Nicht notwendige Reisen sollten nach Möglichkeit abgesagt werden und wer die Möglichkeit hat, sollte sich zu Hause aufhalten und private Kontakte auf das Notwendigste reduzieren. Händeschütteln, Umarmungen und ähnlicher Kontakt sollten vermieden werden.
    • Patienten mit Immundefekt sollten sich über das mit dem Corona-Virus verbundene Krankheitsbild informieren, sodass sie bei der frühzeitigen Selbsterkennung von Symptomen helfen können.
    • Wer Anzeichen einer Erkrankung bemerkt, kontaktiert am besten den behandelnden Arzt, beispielsweise im Immundefektzentrum. In der Regel sollte man dort zunächst telefonisch nachfragen, welche Maßnahmen empfohlen werden und wo ggf. ein Test durchgeführt werden kann.
    • Die behandelnden Ärzte können Betroffene hinsichtlich einer labordiagnostischen Abklärung von COVID-19 beraten. Wichtig: Falls Sie Krankheitsanzeichen bemerken und wissen, dass jemand in Ihrem Umfeld bereits positiv auf COVID-19 getestet wurde, geben Sie diese Information unbedingt an Ihre Ärztin / Ihren Arzt weiter.

    Weitere "Corona"-Hinweise für Menschen mit Immundefekt


    • Wenn Sie berufstätig sind, sollten Sie die Möglichkeit prüfen, für eine bestimmte Zeit in Heimarbeit zu arbeiten, auch dann, wenn (noch) keine offizielle Vorgabe / Quarantänemaßnahme besteht. Gerade Fahrwege mit öffentlichen Verkehrsmitteln, aber auch die Kontakte am Arbeitsplatz, erhöhen Ihr Risiko.
    • Wenn Sie Kontakt zu Menschen mit Atemwegsinfekten oder Fieber haben, wahren Sie bitte einen Abstand von mindestens 1-2 Metern. Der Abstand reduziert das Ansteckungsrisiko.
    • Desinfizieren Sie sich die Hände, nachdem Sie Kontakt zu anderen Menschen hatten, die als Überträger/innen infrage kommen. Da die Erkrankung oft ohne klare Anzeichen verläuft, ist die Desinfektion oder das richtige Händewaschen nach jedem Kontakt sinnvoll.
    • Besprechen Sie mit Ihrer auf Immundefekte spezialisierten Ärztin / Ihrem spezialisierten Arzt, ob bei Erkältungsanzeichen oder bei einer festgestellten Erkrankung Änderungen ihrer Medikation notwendig sind.
    • Wenn Sie Anzeichen einer Erkrankung bemerken, informieren Sie bitte auch eventuelle andere Behandler, die Sie und Ihre Krankheitsgeschichte nicht kennen, über Ihren Immundefekt.

      Was gilt bei einem Kind mit PID?

      Eltern von Kindern mit PID sollten selbstverständlich alle Tipps und Informationen genauso im Blick behalten wie Erwachsene, die selbst betroffen sind. Je nach Alter sind die Kinder oft bereits gut geschult darin, Hygienemaßnahmen einzuhalten, beispielsweise das Händewaschen nach dem Spielen im Freien, nach dem Naseputzen oder dem Toilettenbesuch.

      Andere derzeit wichtige Maßnahmen wie das Meiden größerer Menschenmengen oder der generelle Abstand zu evtl. erkrankten Menschen sind neu und müssen erst geübt werden. 

      Wenn jemand im Haushalt erkrankt, ist es wichtig, das Kind mit Immundefekt besonders zu schützen. Auch wenn es schwierig ist, kann man auch innerhalb der Wohnung oder des Hauses einen gewissen Abstand einhalten.

      Wird das Kind krank, sollten Eltern unbedingt den Arzt darauf hinweisen, dass es auch von einem Immundefekt betroffen ist. In diesen Fällen können dann andere bzw. kurzfristigere Maßnahmen eingeleitet werden.

Linktipps zu Coronavirus und Immundefekt

Aktuelle Informationen des RKI für Personen mit erhöhtem Risiko:

Centrum für Chronische Immundefizienz Freiburg zu Immundefekt und Corona-Virus (covid-19):

Universitäts-Kinderspital Zürich zum Coronavirus, Handlungsempfehlungen für Kinder und Jugendliche mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten sowie nach Stammzelltransplantation:

Die Onlineplattform Selpers bietet eine umfassende Informationssammlung zum Thema Coronavirus und chronische Erkrankungen:

Wie wasche ich meine Hände richtig? Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat entsprechende Tipps und Videospots zusammengestellt: